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Der eigene Stack statt zwölf SaaS-Abos

42 Dienste auf zwei Maschinen: Analytics, Monitoring, Git, Zeiterfassung und Automatisierung selbst betrieben — was das bringt und was es kostet.

Self-HostingDockerDSGVOMonitoringInfrastruktur

Ein durchschnittliches kleines Unternehmen zahlt heute an ein Dutzend Anbieter je 10 bis 50 € im Monat: Analytics, Zeiterfassung, Passwortverwaltung, Git-Hosting, Statusüberwachung, Automatisierung. Einzeln unauffällig, zusammen ein vierstelliger Jahresbetrag — und ein Dutzend Auftragsverarbeiter, die alle in ein Verzeichnis gehören und von denen die meisten in den USA sitzen.

Ich betreibe diese Dienste selbst. Nicht aus Prinzip, sondern weil ich Kunden schlecht zu etwas raten kann, das ich nicht selbst im Betrieb habe.

Der Aufbau

42 Container auf zwei Maschinen: ein VPS in einem EU-Rechenzentrum für alles, was öffentlich erreichbar sein muss, und ein Rechner im eigenen Netz für alles, was das nicht muss — Entwicklung, Experimente, lokale KI.

Davor sitzt ein Reverse Proxy, der TLS terminiert und Zertifikate automatisch erneuert. Jeder Dienst bekommt seinen Hostnamen, sein eigenes Netz und sonst nichts. Was intern bleiben kann, hat gar keinen Weg nach außen.

Grob nach Aufgaben:

  • Analytics — cookiefrei und ohne personenbezogene Profile, damit die Website keinen Consent-Banner braucht
  • Monitoring — Metriken, Logs und Erreichbarkeitsprüfungen mit Alarmierung, dazu Container- und Host-Kennzahlen
  • Entwicklung — eigenes Git-Hosting für Repositories, die nicht auf einer fremden Plattform liegen sollen
  • Betrieb — Zeiterfassung, Passwortverwaltung im Team, Automatisierungs- Workflows
  • Schutz — Angriffserkennung vor dem Proxy, keine direkten Ports nach außen

Was es tatsächlich bringt

Datenschutz ohne Kleingedrucktes. Was nie an einen Dritten geht, muss auch nicht mit ihm vereinbart, dokumentiert oder gerechtfertigt werden. Das Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten wird kurz, statt jedes Jahr länger.

Kosten, die nicht mitwachsen. SaaS rechnet pro Nutzer und pro Monat. Ein Server rechnet pro Server. Der Bruch kommt nicht bei Nutzer zwei, sondern bei Nutzer zwanzig — und dann deutlich.

Kein stiller Funktionsverlust. Kein Anbieter, der Preise verdoppelt, ein Feature hinter eine höhere Stufe schiebt oder das Produkt einstellt.

Was es ehrlicherweise kostet

Zeit. Nicht in der Einrichtung — die ist mit Docker Compose an einem Nachmittag erledigt — sondern in der Pflege: Updates, Backups, und vor allem das Testen der Wiederherstellung. Ein Backup, das nie zurückgespielt wurde, ist kein Backup.

Dazu Verantwortung: Wenn nachts etwas ausfällt, gibt es keine Hotline. Deshalb das Monitoring — es ist bei Self-Hosting keine Kür, sondern die Bedingung, unter der das Ganze überhaupt tragfähig ist.

Meine Empfehlung an Kunden ist deshalb nie „alles selbst betreiben", sondern die Frage nach dem Einzelfall: Wie sensibel sind die Daten, wie viele Nutzer, wie schlimm wäre ein halber Tag Ausfall? Bei Analytics und Zeiterfassung fällt die Antwort fast immer zugunsten des Selbstbetriebs aus. Bei E-Mail so gut wie nie.

Stand

Läuft. Der Aufbau ist die Grundlage für einen Teil meiner Beratung — inklusive der unbequemen Zahlen dazu, was Betrieb und Pflege wirklich an Zeit fressen.